mindfulMittwoch

Das Geschäft mit der Angst – eine Wutrede

Das-Geschaeft-mit-der-AngstHimmel, was ist nur passiert in der Schwangerschaftsbetreuung!

Nun habe ich noch gut vier Wochen bis zu meinem errechneten Entbindungstermin und heute ist für mich mal Zeit hier meine aufgestaute Luft abzulassen über die Erfahrungen, die ich während dieser, aber auch während der anderen drei Schwangerschaften gemacht habe.

Eigentlich sollte man doch gerade als Schwangere im wahrsten Sinne des Wortes ganz besonders auf sein intuitives Bauchgefühl hören. Und ich bin eigentlich ein Mensch, der ein starkes inneres Urvertrauen hat, der denkt, dass schon alles gut gehen wird.  Ich habe drei eigentlich unkomplizierte Schwangerschaften hinter mir mit drei natürlichen Geburten und drei gesunden Kindern. Aber was ich in letzter Zeit während meiner vierten Schwangerschaft erlebt habe, und die Veränderungen in der Früherkennungsdiagnostik der letzten 10 Jahre verärgert mich doch sehr!

Ich weiß noch wie ich mit meinen 25 Jahren, während meiner ersten Schwangerschaft, alles richtig machen wollte und jede der unzähligen Früherkennungsuntersuchungen habe mit mir machen lassen – auch wenn man beispielsweise anhand meines Blutes und meines Alters nur Wahrscheinlichkeitswerte für eine mögliche kindliche Behinderung ausgerechnet hat, was aus meiner heutigen Sicht schon ziemlich schräg ist. Was soll mir ein Rechenwert von 1:3000 oder 1:30 000 sagen? Aber damals habe ich die Medizin nicht hinterfragt – wollte mich sicher fühlen.

Mittlerweile, nach nun fast vier Schwangerschaften, sehe ich die Entwicklungen jedoch viel kritischer. Was mir vor allem auffällt ist, dass sich die Medizin verändert, ja vor allem zunehmend technisiert hat. Es wird immer mehr versucht statistische Risiken für Komplikationen während der Schwangerschaft mittels teils fragwürdiger Untersuchungen auszuschließen, und man verunsichert die schwangeren Frauen dadurch mehr und mehr.

Ist die Verunsicherung der Mütter nicht ein viel größeres Gesundheitsrisiko als der medizinische Nutzen vieler Untersuchungen?

Laut der „Quarks und Co“-Sendung „Projekt Schwangerschaft“ vom 15.12.2015 beispielsweise verursacht das Ersttrimesterscreening, bei dem die kindliche Chromosomenveränderung Trisomie 21 untersucht wird, bei über 5000 von 100 000 untersuchten  Schwangeren ein falsch positives Ergebnis. Das heißt, dass sich eben über 5000 Frauen Sorgen machen, ein Kind mit Downsyndrom zu bekommen, obwohl ihre Kinder gesund seien. Von diesen Frauen ließen etwa die Hälfte eine weitere Fruchtwasseruntersuchung machen, bei denen es in 30 Fällen zu Fehlgeburten käme. Das sind schon ziemlich erschreckende Zahlen!

Auch ich gehöre mit meinen 36 Jahren nun statistisch zur Gruppe der Risikoschwangeren. Und das merke ich leider auch im Umgang mit meiner Frauenärztin. Nun habe ich eigentlich jedes Mal Angst, wenn ich wieder eine Vorsorge habe, dass etwas nicht in Ordnung ist. Die drei gesunden Kinder, die ich bereits geboren habe, spielen aus ärztlicher Sicht, so scheint es mir, dabei keine Rolle mehr. Mir wurde beispielsweise nahe gelegt, eine Feindiagnostik in der 13. Woche in der Klinik zu machen – schließlich sei ich ja schon über 35 Jahre.

Ein weiteres Mal hatte meine Frauenärztin arythmische Herztöne im Ultraschall festgestellt, was in dieser Schwangerschaftswoche bei 1/3 aller Babys normal sei, wie ich dann später im Krankenhaus erfuhr. Doch diese Diagnose hat natürlich erstmal Angst bei uns ausgelöst.

Mittlerweile ist ja sogar der Zuckertest obligatorisch, ganz unabhängig davon, ob man Anzeichen einer Schwangerschaftsdiabetes hat und Risikopatientin ist oder eben nicht. Im aktuellen Geburtsvorbereitungskurs einer Freundin wurde nun bei acht von zwölf Frauen eine Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert. Während meiner ersten Schwangerschaft vor zehn Jahren gab es da übrigens nur eine Frau im Kurs. Und meine Freundin erzählte mir, dass es kaum einen Geburtsvorbereitungstermin in ihrem Kurs gebe, in der die Hebamme nicht eine Stunde länger bliebe, um Tränen von verunsicherten Schwangeren zu trocknen und sie zu beruhigen. Bei der einen sei der Kopf des Kindes zu groß, bei der anderen zu klein, die Fruchtwassermenge zu hoch oder zu niedrig.

Leute, was ist hier nur los! Gebt den Schwangeren doch bitte ihr Gefühl für sich zurück!

Ihr lieben Mediziner, fragt ihr eigentlich noch eure schwangeren Patientinnen, wie sie sich fühlen oder haltet ihr allein an euren Rechenwerten fest, die ihr mit euren Ultraschallgeräten messt, um sie dann mit dem statistischen Ideal zu vergleichen!?

Wo ist der gesunde Menschenverstand in der Medizin geblieben? Wo der Mut der Mediziner Vertrauen und Erfahrung an ihre Patientinnen weiterzugeben?

Weit über 90 % aller Kinder werden schließlich gesund geboren. In Holland werden mehr als ein Viertel der Babys zuhause geboren. Doch hier in Deutschland darf man schon nicht mehr im Geburtshaus entbinden, wenn man zwei Tage über seinen errechneten Geburtstermin geht.

Ich persönlich habe es satt, ständig in Becher zu pinkeln, Blut abgenommen zu bekommen, vaginal untersucht zu werden und mich mit Ängsten über Fehlbildungen herumzuplagen, für die es mal offen heraus gesagt, meist zwar eine Diagnose aber keine Behandlungsmöglichkeit gibt. Und wenn die Entscheidung über den Abbruch der Schwangerschaft in den schlimmsten zu erwartenden Fällen eine Verantwortung mit sich bringen würde, bei der ich gar nicht weiß, ob ich diese tragen kann?

Sicher kann ich auch die Angst der Mediziner verstehen, sich rechtlich in jedem Fall abzusichern, und eben möglichst keine Fehler zu machen, die vielleicht über das Leben eines ungeborenen Kindes entscheiden. Das ist eine große Verantwortung! Sicher haben Gynäkologen nach langer Berufserfahrung auch schon einiges erlebt, das nicht so schön war.

Aber auf wen sollen wir schwangeren Frauen denn bitte vertrauen, wenn uns nicht mal der Facharzt ein zuversichtliches Gefühl mitgeben kann?

Und ich nehme es euch langsam nicht mehr ab, dass es hier nur um das Wohlergehen des ungeborenen Kindes geht. Denn, wenn man mal genauer hinsieht, dann liegt hier auch ein riesiger Markt für alle Gynäkologen mit ihren zusätzlichen Igel-Untersuchungen, für die Kliniken mit ihren geplanten Kaiserschnitten und besonders für die Pharmaindustrie mit ihren Diabetes-Test-Stäbchen, und was Schwangeren sonst noch so vorgesetzt wird. Aber die größte Schweinerei ist doch, dass man denen, die noch an einen natürlichen Umgang mit einer Schwangerschaft und Geburt glauben und ihren Schwangeren dieses Gefühl ermöglichen wollen – unseren selbstständigen Beleghebammen nämlich – durch die hohen Haftpflichtversicherungskosten ihre Berufsexistenz nahezu unmöglich macht! Was ist das nur für ein „krankes“ System!

Und manchmal denke ich über unsere Müttergeneration nach, die in den 70ern und 80ern schwanger war und eben noch ganz anders unbeschwert „in freudiger Erwartung“ sein konnte. Die nicht alle vier Wochen mit einer anderen Früherkennungsuntersuchung konfrontiert wurden.

Und Frauen können selbst bestimmt gebären. Das weiß ich, weil ich es selbst erlebt habe! Besonders die Geburt meines dritten Kindes im Geburtshaus war eine wunderschöne Erfahrung, die mir wahnsinnig viel Kraft gegeben hat und mich sehr stolz gemacht hat! Bitte gebt unseren Schwangeren ihr Urvertrauen und Gottvertrauen zurück – und bestärkt sie in ihren Fähigkeiten, die Geburt ihres Kindes meistern zu können. Eine Kaiserschnittrate in Deutschland von 32% muss nicht sein!

Also ihr lieben Mitschwangeren: Freut euch auf eure Kinder! Ihr habt ungeahnte Kräfte in euch! Vertraut euch! Ihr schafft das!

Eure Inga

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Ich würde mich freuen von euren Erfahrungen zu hören.

Ein Hoch auf euch!

Machen wir uns nichts vor – niemand liebt unsere Kinder, neben uns Eltern natürlich, so sehr wie die Großeltern. Und wenn man sich als Mutter vorstellt, dass die eigenen Kinder einmal selbst Kinder haben werden, kann man sich auch vorstellen, welche Liebe man zu seinen Enkelkindern mal empfinden wird.

Grosseltern

Und in meinem Freundeskreis gibt es wirklich unzählige unterschiedliche gelebte Varianten, welchen Anteil die Großeltern am Familienleben haben. Da gibt es beispielsweise die über 70-jährigen Großeltern, die mit im Haus leben und die Enkeltochter regelmäßig zu Fuß vom Kindergarten abgeholt haben, um mit dem Kind auf dem 3km langen Rückweg Inliner laufen zu üben. Oder den über 80-jährigen Urgroßvater, der jede Woche mit der kleinen Viertgeborenen mit dem Kinderwagen ausgeschoben ist, damit die Mama mal ein wenig Zeit für sich hatte. Oder da gibt es den Opa, der bei jedem Hilferuf sofort zur Stelle ist, regelmäßig das Familienauto mit Sommer-bzw. Winterreifen ausstattet, Holzverschläge für die Familie baut oder einfach nur für die vier Kinder da ist, wenn Unterstützung gebraucht wird.

Zugegeben bei allen dieser drei beschriebenen Fälle wohnen die Großeltern in derselben Stadt oder maximal eine knappe Autostunde entfernt – und alle sind bereits Rentner. Bei uns und vielen Familien in unserem Freundes- und Bekanntenkreis sieht die Sache da eher anders aus. Oft wohnen die Großeltern weit entfernt und sehen die eigenen Enkelkinder trotz der beschriebenen Liebe zu den Kindern eher selten. Und das hat viele Gründe.

Einigen geht es gesundheitlich nicht mehr gut und das Verhältnis wer wen unterstützen kann, hat sich bereits umgedreht. Einige stehen noch voll im Berufsleben und können sich eben nicht mal spontan frei machen, wenn Hilfe gebraucht wird. Schließlich muss die Frau von heute genauso arbeiten wie der Mann, damit am Ende eine Rente herausspringt, von der man leben kann. Die Zeiten sind vorbei, in denen Mütter Zeit hatten, sich um die Familie zu kümmern – sei es um die eigenen Kinder, um die Enkelkinder oder die eigenen Eltern. Heute wird von Ihnen erwartet, dass sie alle diese Aufgaben neben dem Beruf meistern. Und wenn ich so darüber nachdenke, werde ich ein wenig wehmütig und wünsche mir die gute alte Zeit zurück. Eine Zeit, in der man noch gemeinsam die Kinder aufgezogen hat, man vielleicht sogar gemeinsam unter einem Dach gewohnt hat und der Spruch „um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf“ noch eine tatsächlich gelebte Bedeutung hatte. Ich wünschte mir in der einen oder anderen alltäglichen Erziehungssituation, dass da mal Großeltern wären, die aufzeigen würden, dass das von mir gewünschte Verhalten meines Kindes allgemeiner sozialer Konsens ist, und eben nicht ein zu verhandelndes Verhalten. Und ich wünschte mir außerdem eine Zeit zurück, in der von den jungen Erwachsenen nicht bedingungslose Flexibilität bezüglich des Arbeitsortes verlangt würde.

Wenn ich mir meine Umgebung so betrachte, habe ich den Eindruck, dass in keiner Generation vor uns, die Familien so sehr allein, ohne die Großeltern, ihren Alltag meistern mussten!

Freunde

Doch an die Stelle der Familie sind Freunde getreten. Freunde, die nachts die beiden Kinder aufnehmen, wenn sich die Geburt des dritten Kindes ankündigt. Freunde, mit denen man Erziehungsfragen austauscht, man sich bespricht, wenn man nicht mehr weiß, in welche Richtung man grad im Leben gehen soll oder sich einfach Näh-, Koch- und Putztipps einholt, weil man schon lange aufgehört hat, dafür die Großeltern anzurufen. Und Freunde, mit deren Familien man einfach schöne Stunden verbringt, die lange in Erinnerung bleiben. Und Freunde, mit deren Kindern unsere Kinder über die Jahre solch ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt haben, dass deren Kinder ihnen schon ähnlich wichtig sind wie ihre eigenen Kusinen und Kusins.

Und heute will ich euch, ihr lieben Freunde, einmal für all das danken! EIN HOCH AUF EUCH!

Eure Inga

PS: Und wie ist es bei euch? Welchen Anteil haben Freunde und Großeltern in eurem Leben?

8 + x – Das Experiment

Kissenschlacht

Ich schlafe gern. Und ich schlafe gerne viel. Und ich liebe das Gefühl, wenn man völlig ausgeschlafen mit diesem wohlig entspannten Gefühl aufwacht, voller Lust und Energie den Tag anzugehen. Kürzlich habe ich etwas übers Schlafen gelesen, und da stand unter anderem, dass es eben Menschen gibt, die überdurchschnittlich viel Schlaf benötigen. Sicher bin ich einer dieser Menschen. Sicher ist aber auch, dass ich diese Morgen der Tiefenentspannung in den letzten knapp 10 Jahren eher an zwei Händen abzählen kann – eben seitdem ich im letzten Trimester meiner ersten Schwangerschaft lernte was es bedeutet, Kinder zu haben, nachts nicht mehr durchzuschlafen und die Zeiten, die man für sich selbst hat, in die Abendstunden verlegen zu müssen.

Und es stellte sich mir die Frage, was wäre eigentlich, wenn ich stets ausgeschlafen wäre? Und ich bekäme jede Nacht, sagen wir mal, mindestens 8 Stunden Schlaf? Wäre ich dann diese relaxte und energiegeladene Mutter, die ich mir in manchen Abendstunden wünschte zu sein, wenn die Kinder sich auch nach der fünften Aufforderung zum Zähneputzen weiter streiten oder sie zum dritten Mal nach dem Zubettbringen wieder runterkommen, während sie felsenfest behaupten, dass sie wirklich nicht einschlafen könnten? Oder würde dieses frühe zu Bett gehen einfach nur bedeuten, noch weniger Qualitätszeit für sich selbst übrig zu haben und mit dem Partner verbringen zu können?

Und ich dachte mir weiter, dass es doch auf einen Versuch ankäme. Also überlegte ich mir, dass ich einmal 4 Wochen ausprobieren könnte, jede Nacht wenigstens 8 Stunden zu schlafen. Und falls ich diese Zeitspanne während der Nacht nicht ganz einhalten könnte, ich tagsüber den Schlaf in einer Mittagsruhe nachholen müsste. Und bei diesem Gedanken überkam mich gleich wieder dieses wohlige Gefühl.

Das Experiment 8+x startet nun heute Nacht und ich werde euch wöchentlich darüber informieren, ob es sich für euch anderen schlafliebenden Mütter wirklich lohnt mit euren Kräften zu haushalten.

Also schlaft gut und träumt was Schönes!

Eure Inga