Lippe riskieren

Mama und Macherin- Ralitsa Trayanova-Dimitrov

Familienmanagerin, Liebhaberin, beste Freundin, Karrierefrau, Taxifahrerin, Putzfrau, Mediatorin, Krankenschwester, Seelsorgerin, Hausaufgabenhilfe, Spielkameradin, Köchin – die gesellschaftlichen Erwartungen an Mütter sind vielfältig und hoch. Da ist es als Frau manchmal schwer seinen eigenen Weg zu finden. Zwischen Kindern und Küche nicht die eigenen Ziele zu verlieren, sich selbst treu zu bleiben und seine eigenen Träume anzugehen, ist nicht immer leicht – besonders wenn die Kinder noch klein sind und eben viel Zeit und Zuwendung brauchen. Und was von uns im gesellschaftlichen Konsens erwartet wird, ist teilweise so widersprüchlich. Wir sollen aufopferungsvoll und selbstbestimmt sein, immer für unsere Kinder da sein, aber in jedem Fall auch beruflich unabhängig sein und ins Rentensystem einzahlen, wir sollen liebende Mütter und heiße Ehefrauen sein.

Wie schafft man es als Frau und Mutter seine Träume zu verwirklichen?

Eine der Fragen, die mich  selbst schon seit Jahren stark umtreibt, ist die nach der Verwirklichung der eigenen Träume – sowohl beruflich als auch privat. Wie bekommt man es hin, in unserer Gesellschaft liebende Mama  zu sein und sich beruflich selbst zu verwirklichen – und das Ganze ohne schlechtes Gewissen?

In meinem Leben sind mir schon einige spannende Frauen begegnet. Jede von ihnen geht ihren ganz eigenen Weg. Das inspiriert mich und vielleicht auch euch und ist Grund für mich die neue Blogreihe „Mama und Macherin“ im Rahmen meines MindfulMittwochs zu starten.

In dem ersten Post dieser Reihe stelle ich euch heute die Dipl. Musikpädagogin und Kammermusikerin Ralitsa Trayanova-Dimitrov vor. Ich habe sie vor ein paar Jahren in der Kita unserer Kinder kennengelernt, als sie gerade dabei war ihren Traum von einer eigenen Musikschule zu verwirklichen.

Liebe Ralitsa, deine Musikschule Glashausprojekt in Detmold existiert jetzt knapp vier Jahre – in dieser Zeit hat sie sich erfolgreich entwickelt. Wie hat damals alles angefangen und wie hast du das mit deinem Sohn Alexandr bisher organisieren können?

Mein Mann Ivan und ich haben 2013 die Musikschule gekauft. Das Gebäude bestand aus ehemaligen Proberäumen für die Studenten der Hochschule für Musik und einer kleinen Hausmeisterwohnung. Also perfekt für unsere Bedürfnisse! Alexandr war damals 7 Monate alt. Er war also von Anfang an mit dabei. Das war damals eine anstrengende Zeit. Wir haben fünf Monate renoviert und dann mit einem Übungsraum begonnen.

Mit der Zeit wurde unser „Glashausprojekt“ immer größer und größer. Mittlerweile haben wir 150 Schüler und 18 Lehrer, die 9 verschiedene Instrumente unterrichten. Bis heute pusht mich Ivan und bestärkt mich darin, dass ich alles schaffen kann.  Ich hätte niemals gedacht, dass ich sowas überblicken könnte. Aber man wächst mit seinen Aufgaben. Alles ist Schritt für Schritt entstanden. Und alles nur mit ihm. Er hat immer zu mir gesagt: „Du bist nicht nur eine Musikerin. Du kannst viel mehr.“ Ich habe ihn vor dem Kauf des Hauses einmal gefragt: „Was ist das Schlimmste was passieren kann?“ Und Ivan sagte darauf: „Wir müssen das Haus verlassen und fangen von vorne an“. Wenn jemand da ist, der dich unterstützt und ständig sagt, du kannst das, dann ist das gar nicht so schwer.

Zum Glück haben wir damals nach einigen Monaten nach der Eröffnung der Musikschule einen Kitaplatz für Alex  bekommen, sonst hätten wir das nie geschafft. Ivan hat dann angefangen nochmal zu studieren. So hatten wir den Vorteil die Zeiten mit Alexandr gut aufteilen zu können. Wenn man selbstständig ist, ist man noch relativ flexibel und kann seine Zeit auf die Bedürfnisse des Kindes abstimmen.

Ich habe im Moment 22 Schüler. Wenn ich nicht unterrichte, und Alexandr im Kindergarten ist, mache ich die Buchhaltung oder gehe abends nochmal rüber ins Büro. Dass wir direkt nebenan wohnen, ist dabei sehr praktisch. Wenn ich nachmittags unterrichten muss, kümmert sich Ivan um Alexandr. Ansonsten haben wir hier keine Unterstützung. Die Großeltern von Alexandr leben in Bulgarien.

War es immer dein Traum Musikerin zu werden und eine Musikschule zu gründen?

(Lachend) Als Jugendliche wollte ich eigentlich eine FBI-Agentin werden. Aber in Bulgarien entschied man sich damals schon früh für eine bestimmte berufsorientierte Schule. So bin ich damals auf eine Musikschule gegangen.

Mein eigentlicher Traum war aber immer zu unterrichten, deshalb würde ich nie meine eigenen Schüler aufgeben. Und der Traum etwas zu geben und etwas zu schaffen, dass Menschen hilft. Deshalb unterstützen wir auch Kinder, deren Eltern sich keinen Musikunterricht leisten können. Zurzeit unterstützen wir 14 Kinder über Spendengelder.

(Jeder Schmetterling steht für einen Schüler der Musikschule – zu Beginn klebt jeder Schüler einen Schmetterling in seinen Proberaum und unterzeichnet ihn mit seinem Namen.)

Hast du Vorbilder, die dich geprägt haben oder bis heute prägen?

Konkrete Vorbilder habe ich eigentlich keine. Ich möchte meine eigene Geschichte schreiben.

Kennst du manchmal Zweifel bei der Vereinbarkeit von Beruf und Mutter sein? Hast du als Mutter manchmal ein schlechtes Gewissen, weil du beruflich so stark eingebunden bist?

Meine Mutter war auch immer berufstätig. Ich kenne es daher nicht anders. Ein schlechtes Gewissen habe ich dabei nicht, da mein Kind immer an erster Stelle steht. Manchmal denke ich, ich mache schon zu viel für ihn. Ich bleibe zum Beispiel manchmal bis spät abends wach, um den Bürokram zu erledigen, da ich den Nachmittag mit Alexandr verbracht habe. Wenn man sehr fleißig ist, kann man sich zwischendurch auch mal Freiräume schaffen.

Welche Eigenschaften haben dir bei der Verwirklichung deiner Ziele am meisten geholfen?

Hartnäckigkeit ist wichtig. Wenn ich etwas erreichen will, arbeite ich auch hart dafür. Am wichtigsten ist aber Optimismus! Ich bin ein sehr positiver Mensch und lasse nie schlechte Gedanken zu. Man sollte immer das Gute sehen, in den Menschen und im Leben generell und sich nicht den Kopf über Dinge zerbrechen, die man nicht ändern kann. Und man sollte das Leben genießen, denn irgendwann ist es zu Ende. Eine FBI-Agentin konnte ich zwar nicht werden. Aber man muss eben klar im Kopf sein, realistisch bleiben. Aber das, was man schaffen kann, sollte man auch wagen.

Welche Wünsche und Pläne hast du für die Zukunft?

Für die Zukunft habe ich noch einige Wünsche. Ich würde gern mit der Musikschule noch etwas wachsen und dann in unserer Heimat Bulgarien eine Zweigstelle eröffnen. Dort würde ich gern Kindern helfen, die hier in Deutschland studieren möchten und z.B. Kurse und Sommercamps anbieten. Und dass wir weiterhin mehr Kinder unterstützen können, das würde ich mir wünschen. Deshalb haben wir unsere Musikschule auch als gemeinnützige GmbH gegründet und sind nie auf Gewinn aus gewesen. Mein Ideal ist wirklich etwas zu bewirken. Die Kinder, die wir unterstützen, tragen ihre Instrumente mit so viel Stolz und haben leuchtenden Augen, wenn sie zum Unterricht kommen. Die wollen es wirklich! Und das ist das, was für mich persönlich zählt!

Vielen Dank, liebe Ralitsa, für das nette, inspirierende Gespräch!

 

Vom Designzirkus und Muttertagsgeschenken

Dafür, dass unser letzter Post nun schon elf Tage her ist, haben wir wirklich eine gute Ausrede!

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Isa und ich haben nämlich am letzten Wochenende einen kleinen DIY-Bastelstand auf dem Detmolder Designzirkus betreut. Hier konnten die Kinder mit uns kleine Seifen für ihre Mamas zum Muttertag umfilzen und wir konnten den Mamas wiederum von unserem Familienblog erzählen.

Die Atmosphäre auf dem Designzirkus war wirklich schön – mit ganz viel Kreativität und vielen Ständen mit wunderschönen Dingen – und wir haben viele nette Menschen getroffen und interessante Gespräche geführt. Vielen Dank an euch alle!

Besonders habe ich mich natürlich darüber gefreut, dass meine Detmoldposter so gut angekommen sind!

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Und da wir häufig danach gefragt wurden, wie man diese Seifen umfilzt und weil viele Mamas diese Anregung gern für den nächsten Kindergeburtstag nutzen wollten, kommt hier eine kleine Anleitung.

Das braucht ihr dafür:

  • Seifen (sehr gut sind hierfür die Pflanzenölseifen von Alverde von DM, da sie einen hohen Ölanteil haben und sich daher gut filzen lassen. Außerdem riechen die beiden Sorten Lavendel und Verveine unglaublich gut!)
  • Filz im Vlies (um die Seife erstmal mit Filz einzupacken, z.B. von „Trolle und Wolle„)
  • Filz im Kammzug (für die bunten Streifen um die Seife herum, z.B. von „Trolle und Wolle“ )
  • Seifenlauge (am besten ölhaltige Seife, wie z.B. Olivenseife)
  • Filznadeln (aus dem Bastelladen)
  • Fliegennetz (aus dem Baumarkt)
  • Handtuch

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Und so geht es:

Je nachdem wie alt eure Kinder sind, nimmt man eine ganze Seife oder nur eine Halbe für die Kleinen, dann liegen sie ihnen beim Filzen besser in der Hand. Wir haben beim Designzirkus vorher geteilte Seifen verwendet.

Nun packt man die Seifen fest in Filzvlies ein und sticht mit der Filznadel so lange seitlich in die zu verbindenden Enden bis die Seife von er Filzwolle ganz umschlossen ist. Für kleinere Kinder bis ungefähr 5 Jahren sollte man dieses Trockenfilzen mit der Nadel besser schon vorbereiten, da man sich mit den  wirklich sehr spitzen Filznadeln leicht stechen kann. Größere Kinder können das schon selbst machen.

Anschließend können die bunten Kammzug-Filzstreifen je nach Geschmack in dünnen oder dickeren Streifen um die vorgefilzte Seife gewickelt werden. Ein kurzes Anstechen mit der Filznadel, um die farbigen Streifen zu fixieren, ist ebenfalls nötig.

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Nun kann man die Seife in ein Fliegengitter einwickeln und die Seifenlauge, die am besten warm ist, mit der Hand leicht über die Seife geben und dann vorsichtig, mit wenig Druck und der vollen Handfläche, beginnen die Seife zu reiben. Wenn man das einige Zeit von allen Seiten gemacht hat, bemerkt man, dass sich die einzelnen Filzschichten bereits miteinander verbunden haben. Nun kann man die Seife wie beim Händewaschen in die Hand nehmen und kräftiger reiben bis sich die Filzwolle ganz fest um die Seife gelegt hat. Jetzt schäumt die Seife selbst von innen heraus. Dieses Schmieren macht den Kindern in der Regel am meisten Spaß.

Anschließend wäscht man die Seife kurz mit klarem Wasser aus und reibt sie in einem Handtuch trocken.

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Ich habe selbst zum Muttertag am Sonntag Morgen mehrere Seifen bekommen und liebe es seitdem meine Hände zu waschen. Das funktioniert bei Kindern übrigens auch!

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Eure Inga

Design Zirkus 2016

Am 7./8. Mai könnt ihr mal wieder „Lippe riskieren“. An dem Wochenende findet zum 3. Mal der Design Zirkus in Detmold, im ehemaligen Modehaus Finke statt. Ein Markt für junges Design in OWL mit wunderschönen individuellen Produkten (Kunst, Design, Kulinarik, Möbel, Schmuck, Mode, Grafiken), von Kreativen aus der Region und Studenten aus  Detmold.

Design Zirkus

Es wird auch einen Stand mit einer DIY-Aktion für eure Kinder von unserem Blog geben. Wir werden unseren Blog vorstellen und eure Kinder können bei uns kreativ werden und wunderschöne Muttertagsgeschenke basteln. Also kommt alle vorbei. Wir freuen uns auf Euch.

Design Zirkus

Bis dann

Inga & Isa