Ein Hoch auf euch!

Machen wir uns nichts vor – niemand liebt unsere Kinder, neben uns Eltern natürlich, so sehr wie die Großeltern. Und wenn man sich als Mutter vorstellt, dass die eigenen Kinder einmal selbst Kinder haben werden, kann man sich auch vorstellen, welche Liebe man zu seinen Enkelkindern mal empfinden wird.

Grosseltern

Und in meinem Freundeskreis gibt es wirklich unzählige unterschiedliche gelebte Varianten, welchen Anteil die Großeltern am Familienleben haben. Da gibt es beispielsweise die über 70-jährigen Großeltern, die mit im Haus leben und die Enkeltochter regelmäßig zu Fuß vom Kindergarten abgeholt haben, um mit dem Kind auf dem 3km langen Rückweg Inliner laufen zu üben. Oder den über 80-jährigen Urgroßvater, der jede Woche mit der kleinen Viertgeborenen mit dem Kinderwagen ausgeschoben ist, damit die Mama mal ein wenig Zeit für sich hatte. Oder da gibt es den Opa, der bei jedem Hilferuf sofort zur Stelle ist, regelmäßig das Familienauto mit Sommer-bzw. Winterreifen ausstattet, Holzverschläge für die Familie baut oder einfach nur für die vier Kinder da ist, wenn Unterstützung gebraucht wird.

Zugegeben bei allen dieser drei beschriebenen Fälle wohnen die Großeltern in derselben Stadt oder maximal eine knappe Autostunde entfernt – und alle sind bereits Rentner. Bei uns und vielen Familien in unserem Freundes- und Bekanntenkreis sieht die Sache da eher anders aus. Oft wohnen die Großeltern weit entfernt und sehen die eigenen Enkelkinder trotz der beschriebenen Liebe zu den Kindern eher selten. Und das hat viele Gründe.

Einigen geht es gesundheitlich nicht mehr gut und das Verhältnis wer wen unterstützen kann, hat sich bereits umgedreht. Einige stehen noch voll im Berufsleben und können sich eben nicht mal spontan frei machen, wenn Hilfe gebraucht wird. Schließlich muss die Frau von heute genauso arbeiten wie der Mann, damit am Ende eine Rente herausspringt, von der man leben kann. Die Zeiten sind vorbei, in denen Mütter Zeit hatten, sich um die Familie zu kümmern – sei es um die eigenen Kinder, um die Enkelkinder oder die eigenen Eltern. Heute wird von Ihnen erwartet, dass sie alle diese Aufgaben neben dem Beruf meistern. Und wenn ich so darüber nachdenke, werde ich ein wenig wehmütig und wünsche mir die gute alte Zeit zurück. Eine Zeit, in der man noch gemeinsam die Kinder aufgezogen hat, man vielleicht sogar gemeinsam unter einem Dach gewohnt hat und der Spruch „um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf“ noch eine tatsächlich gelebte Bedeutung hatte. Ich wünschte mir in der einen oder anderen alltäglichen Erziehungssituation, dass da mal Großeltern wären, die aufzeigen würden, dass das von mir gewünschte Verhalten meines Kindes allgemeiner sozialer Konsens ist, und eben nicht ein zu verhandelndes Verhalten. Und ich wünschte mir außerdem eine Zeit zurück, in der von den jungen Erwachsenen nicht bedingungslose Flexibilität bezüglich des Arbeitsortes verlangt würde.

Wenn ich mir meine Umgebung so betrachte, habe ich den Eindruck, dass in keiner Generation vor uns, die Familien so sehr allein, ohne die Großeltern, ihren Alltag meistern mussten!

Freunde

Doch an die Stelle der Familie sind Freunde getreten. Freunde, die nachts die beiden Kinder aufnehmen, wenn sich die Geburt des dritten Kindes ankündigt. Freunde, mit denen man Erziehungsfragen austauscht, man sich bespricht, wenn man nicht mehr weiß, in welche Richtung man grad im Leben gehen soll oder sich einfach Näh-, Koch- und Putztipps einholt, weil man schon lange aufgehört hat, dafür die Großeltern anzurufen. Und Freunde, mit deren Familien man einfach schöne Stunden verbringt, die lange in Erinnerung bleiben. Und Freunde, mit deren Kindern unsere Kinder über die Jahre solch ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt haben, dass deren Kinder ihnen schon ähnlich wichtig sind wie ihre eigenen Kusinen und Kusins.

Und heute will ich euch, ihr lieben Freunde, einmal für all das danken! EIN HOCH AUF EUCH!

Eure Inga

PS: Und wie ist es bei euch? Welchen Anteil haben Freunde und Großeltern in eurem Leben?